Standard-Untersuchungsablauf Sono-Abdomen: so geht's richtig – und diese Fehler solltest du vermeiden
Internist und Gastroenterologe Paul Neugebauer zeigt in diesem Video einen Standard-Untersuchungsablauf für das Abdomen-Sono. Du erfährst, worauf es in jedem Schnitt wirklich ankommt, welche Messungen du dir sparen kannst und an welchen Stellen in der Praxis am häufigsten Befunde übersehen werden.
Ein Standardablauf muss nicht 30 Minuten dauern
In den letzten Jahren hat das Sonocoach-Team über 600 Kolleginnen und Kollegen im Training betreut. Dabei zeigen sich immer wieder dieselben Lücken und Fehler im Untersuchungsablauf. Das Video zeigt einen kompletten Abdomen-Standardablauf in rund sechs Minuten. Das ist sportlich, aber machbar. Wichtiger als Tempo ist, die Dinge richtig zu machen, statt Fehler einzuschleifen.
1. Oberbauch-Querschnitt: Orientierung statt Pankreas-Jagd
Im Oberbauch geht es nicht zwingend darum, das Pankreas zu finden. Wichtiger ist ein Überblick über Magen, Duodenum und die Leberspitze. Typische Probleme sind fehlende Atemkommandos, schlecht ausgeführte Bauchpressmanöver und fehlende Orientierung.
- Verlass dich nicht allein auf den Truncus coeliacus als Leitstruktur. Das klappt im Lehrbuch, im echten Leben oft nicht.
- Nutze Wegweiser wie Magen, Duodenum (es führt um den Pankreaskopf herum), Colon transversum, Leber und Leberpforte.
- Ein flüssigkeitsgefüllter Magen nach dem Trinken ist kein Problem, sondern kann sogar helfen.
2. Linker Leberlappen: Eindruck von der Leberstruktur
Mit passender Tiefe, Frequenz und Fokus bekommst du an der linken Leberspitze einen guten Eindruck von Kapsel, Gefäßverläufen und Fibrosezeichen: Fettleber, Fibrose oder schon Zirrhose? Auch ein einfacher Kompressionstest mit der Sonde (weich oder hart) ist hier möglich. Die Segmente sind in diesem Schritt nebensächlich.
3. DHC und Leberpforte: innere statt äußere Landmarken
Der klassische Fehler ist, sich am Schulter-Nabel-Schnitt von außen zu orientieren. Kein Patient hat seine Organe genau dort, wo das Lehrbuch die Sonde ansetzt. Orientiere dich an inneren Landmarken. Oft brauchst du mehrere Schnitte oder Varianten, bis der Leberhilus frei ist. Farbduplex und Patientenmanöver helfen dabei. Wer nur nach Schema F schallt, landet meist intrahepatisch kurz vor der Gallenblasenmündung, und das ist kein extrahepatischer DHC.
4. Epigastrischer Längsschnitt: Lobus caudatus und Vena cava
Ziel dieses Schnitts ist vor allem der Lobus caudatus: Ist er hypertrophiert? Die Atemmodulation der Vena cava darfst du beurteilen. Ihr Durchmesser ist für den Volumenstatus aber oft wenig aussagekräftig, etwa bei sportlichen Patienten oder hochgelagerten Beinen. Werte um 3,8 cm haben dann nichts mit einer kardialen Dekompensation zu tun.
5. Aorta: Screening im Querschnitt
Der Aorten-Längsschnitt ist schön anzusehen, schließt aber kein Aneurysma aus. Das Screening muss im Querschnitt erfolgen, vom Epigastrium bis zur Bifurkation, damit dir kein seitlich ausladendes Aneurysma entgeht. Im Querschnitt kannst du mit mehr Sondendruck Dünndarm wegdrücken (bei Magen und Kolon funktioniert das nicht) und gleichzeitig nach paraaortalen Lymphknoten schauen. Mesenterialgefäße kosten am Anfang der Diagnostik meist nur Zeit.
6. Lebervenen: Foto ja, Messorgie nein
Der epigastrische Schnitt mit Lebervenen und Herz verschafft Übersicht. Bitte nicht standardmäßig alle Lebervenen ausmessen und daraus eine Rechtsherzbelastung ableiten.
7. Die Leber systematisch durchmustern
Hier werden die meisten Befunde übersehen. Ein Standbild mit Messung beweist nur, dass du die Leber gesehen hast. Entscheidend ist eine Systematik, mit der du rechten und linken Leberlappen komplett in zwei Ebenen erfasst und erkennst, welchen Teil du verpasst hast. Segmente auswendig zu lernen hilft dabei wenig. Realistisch sind 90 bis 95 Prozent des Volumens. Dafür ist die Auflösung besser als im CT: Zysten von 8 mm sind im Ultraschall klar darstellbar.
8. Gallenblase: immer einen Plan B haben
Häufige Fehler sind eine unvollständige Durchmusterung und Defizite bei Bildoptimierung und Sondenführung. Wenn subkostal nichts geht, brauchst du einen Plan B: andere Lagerung oder der Interkostalschnitt. Geschätzt 50 bis 60 Prozent der Patienten lassen sich interkostal besser beschallen, für Leber, Gallenblase und DHC. Interkostal hast du außerdem gute Winkel für den PW-Doppler an Pfortader und Lebervenen. Voraussetzung ist eine ergonomische Sondenhaltung, damit die Rippen aus dem Bild gedreht sind und dir nicht nach zwei Minuten der Arm abfällt.
9. Nieren und Nebennieren: Morphologie statt Standbild
Ein Standbild zum Ausmessen zeigt nur einen Bruchteil der Niere. Sinnvoller ist eine schrittweise Darstellung über mehrere Schnitte und Manöver, um Harnstau, Tumoren oder Steine zu finden. Auch die Nebennieren gehören zur Durchmusterung. Du hast sie schon oft gesehen, nur nicht erkannt.
10. Milz: nur mit Fragestellung messen
Die Milz ist selten das entscheidende Organ. Eine Vergrößerung ist meist unspezifisch, und sie wird häufig falsch eingestellt: Hilus nicht mittig, falsche Höhe, zu weit ventral oder kaudal. Bist du dir nicht sicher, lass die Messung lieber weg. Je nach Sicht kannst du hier noch Vena lienalis, Pankreasschwanz und Magenfundus beurteilen.
11. Unterbauch: Harnblase richtig durchmustern
Freie Flüssigkeit im kleinen Becken zu suchen ist in der Chirurgie sinnvoll, in der Inneren oder beim Check-up meist wenig hilfreich. Bei jüngeren Frauen ist sie oft sogar physiologisch. Wichtiger sind:
- Restharn nach dem Toilettengang. Ist die Blase trotz Toilettengang noch gefüllt und macht Beschwerden, ist es eine Überlaufblase, egal wie groß sie ist.
- Eine gründliche Durchmusterung der Harnblase auf wandständige Läsionen, in Quer- und Längsschnitt. Eine nicht ausreichend gefüllte Blase wirft Falten, die du nicht als Läsion fehldeuten solltest.
- Prostata, Uterus und Ovarien sind optional. Transabdominal ist hier nicht der Goldstandard, das überlässt du besser den Fachkollegen.
Im Längsschnitt siehst du kranial der Blase oft auch Dünndarmaktivität (Gastroenteritis, Ileus, interenterische Flüssigkeit) und das Sigma. Mittige Unterbauchschmerzen sind häufig eine Divertikulitis und keine Blasenentzündung.
12. Rechter und linker Unterbauch
Zum Abschluss lohnt ein Blick auf beide Unterbäuche: rechts Zökum, Psoas, Iliakalgefäße und terminales Ileum, also die Region, in der du die Appendix suchst. Links stellst du dich auf die Sigma-Achse ein. Voraussetzung ist, dass du Dünn- und Dickdarm sicher unterscheiden kannst.
Fazit: erst Fehler beheben, dann üben
Bevor du den Ablauf hundertfach wiederholst, prüfe, was du falsch oder gar nicht machst, und behebe zuerst diese Lücken. Sonst schleifst du jahrelange Fehler bei Sondenhaltung oder Gerätebedienung nur weiter ein. Viele Fehler entstehen, weil niemand sie dir erklärt hat. Hol dir deshalb jemanden, der dir wirklich über die Schulter schaut.
Wenn du dabei Unterstützung möchtest, vereinbare ein Gespräch: sonocoach.de/termin.