Standard-Untersuchungsablauf Echo: so geht's richtig – und die häufigsten Fehler
Kardiologin Suliko Neugebauer zeigt in diesem Video den Ablauf einer standardisierten Echokardiografie. Du erfährst, warum klinisches Denken, Bildeinstellung und Gerätebedienung zusammengehören, welche Messungen in welches Schallfenster gehören und wo die meisten Fehler entstehen.
Drei Puzzleteile für einen sicheren Echobefund
- Klinisches Denken: Schon bei der Indikation brauchst du eine Arbeitsdiagnose. Welche Schallfenster, Messungen und Dopplermessungen beantworten die Frage? Der Ablauf ist standardisiert, die Messungen sind gezielt.
- Bildeinstellung: Sondenhaltung und Handling, damit jeder Schnitt korrekt ist.
- Technik: Du musst wissen, was dein Gerät kann und wo die Knöpfe zur Bildoptimierung sind. Gain auf- und zudrehen reicht nicht.
Parasternale lange Achse
Sie verschafft einen Überblick: Wie verhalten sich die Strukturen zueinander, wie öffnen und schließen die Klappen? Korrekt ist sie, wenn die Aorta mittig geschnitten ist und die Herzspitze nicht im Bild liegt. Achte auf Lagerung und Atemkommandos (bei schlanken Patienten ist viel Lunge im Bild) und auf die Tiefe.
- Dimensionen: Septum, Innendurchmesser und Hinterwand misst du hier am besten im B-Bild, weil du den Winkel selbst anlegen kannst.
- Häufiger Fehler: M-Mode bei schräg verlaufendem Septum. Der M-Mode braucht einen 90°-Winkel. Schräg geschnittene Wände ergeben eine Hypertrophie, die es nicht gibt.
- Aorta: Die Aorta ascendens proximal enddiastolisch messen. Bei Bedarf ergänzt du Wurzel und weitere Messpunkte.
Parasternale kurze Achse
Jede Schnittebene hat eigene Merkmale. Erst wenn alle Strukturen korrekt angeordnet und vollständig abgebildet sind, ist das, was du siehst, auch real.
- Aortenklappenebene: Sie ist anatomisch anspruchsvoll, weil Pulmonal-, Aorten- und Trikuspidalklappe nah beieinander liegen. Sie ist aber sehr wertvoll für Stenose und Insuffizienz. Die Öffnungsfläche planimetrisch zu bestimmen, übst du zuerst an gesunden Klappen, nicht direkt an verkalkten.
- Truncus pulmonalis: Für Fortgeschrittene. Bifurkation und zentrale Pulmonalarterien sind darstellbar, zum Beispiel bei Verdacht auf eine zentrale Lungenembolie.
- Mitralklappenebene: Ein runder linker Ventrikel. Sehr gut für Rechtsherzbelastungszeichen, weil du rechts und links direkt vergleichen kannst. Den M-Mode für die LV-Dimensionen machst du besser hier als in der langen Achse: drei diastolische und drei systolische Messungen.
- Apex: So weit wie möglich einstellen, um Spitzenaneurysma und Wandbewegungsstörungen zu erfassen.
Vierkammerblick
Hier sind sehr viele Messungen möglich, weil du links und rechts vergleichen kannst und gute Dopplerwinkel hast. Der linke Ventrikel darf nicht verkürzt sein. Ist der rechte Ventrikel halb aus dem Bild, machst du zwei Einstellungen: links fokussiert und rechts fokussiert.
- Farbdoppler Klappe für Klappe: Keine Farbbox über das ganze Bild, außer im absoluten Notfall.
- TAPSE: Winkel korrekt anloten und den Trikuspidalanulus gut einstellen.
- Pulmonaler Druck: Den CW-Doppler nie ohne Farbkontrolle anlegen. Stell die TI zuerst in Farbe ein, sonst verpasst du exzentrische Jets und die maximale Geschwindigkeit.
- EF: Bildoptimierung für eine gute Konturenabgrenzung. Biplan im Vier- und Zweikammerblick, für Fortgeschrittene triplan inklusive Dreikammerblick, sonst wird die EF bei Wandbewegungsstörungen falsch. Die Messung kostet Zeit, deshalb gespeicherte Bilder am Ende der Untersuchung auswerten.
- Diastolische Funktion: Entscheidend sind Lage, Größe und Winkel des Sample Volume bei PW- und Gewebedoppler, septal und gegebenenfalls lateral.
Fünfkammerblick
Hier beurteilst du die Aortenklappe mit Farbe und Doppler: Vmax, und bei Stenose VTI mit mittlerem und maximalem Gradienten.
Zwei- und Dreikammerblick
Auf den Zweikammerblick zu verzichten ist falsch. Manche Veränderungen, etwa ein zweiter Jet einer Mitralinsuffizienz, siehst du nur in der zweiten Ebene. Beim Drehen in den Dreikammerblick wandern viele zu weit medial Richtung Sternum und verkürzen den Ventrikel. Die Sondenhaltung muss kontrolliert sitzen, besonders beim Schallen mit der rechten Hand.
Häufiger Fehler: PW-Doppler im LVOT im Fünfkammerblick. Für Aortenstenose und Schlagvolumen gehört das Sample Volume in den Dreikammerblick. Wer den Fünfkammerblick einstellen kann, schafft in 99 Prozent der Fälle auch den Dreikammerblick.
Subkostale Ebene
Wichtig bei Patienten, die nicht gelagert werden können, etwa auf der Intensivstation, in der Notaufnahme oder bei Trauma. Versuch es zuerst mit der Echosonde und wechsle erst danach auf die Konvexsonde. Klappen beurteilst du hier wegen des schrägen Winkels vorsichtig, die Ebene ist ergänzend. Die Vena cava beurteilst du an der Einmündung in den rechten Vorhof: Weite und Atemmodulation bei maximaler In- und Exspiration.
Fazit
Ein guter Echokardiografeur macht nicht möglichst viele Messungen, sondern die richtigen, im richtigen Schallfenster und in der richtigen Reihenfolge. Wenn du deine eingeschliffenen Fehler mit Feedback korrigieren möchtest: sonocoach.de/termin.