Pankreas im Ultraschall: zwei Fehler, die du bei der Abklärung einer Amylaseerhöhung vermeiden solltest
In diesem Fall der Woche geht es um die sonografische Abklärung einer Amylaseerhöhung. Du siehst, warum ein schönes Standbild vom Pankreas nicht reicht, wie dich Zufallsbefunde ablenken und warum du immer die verbundenen Strukturen mit anschauen musst.
Der Fall: Amylaseerhöhung ohne Beschwerden
Abgeklärt werden soll eine erhöhte Amylase. Der Patient hat keine Beschwerden und keine Koliken. Im Video wird die Untersuchung Schritt für Schritt nachbesprochen, und dabei zeigen sich zwei typische Fehler.
Fehler 1: Sich von Zufallsbefunden ablenken lassen
Gleich zu Beginn fällt eine große Leberzyste auf. Sie hat mit der Amylase nichts zu tun. Trotzdem passiert oft Folgendes: Man konzentriert sich ganz auf den auffälligen Befund und schaut sich den Rest der Leber gar nicht mehr an.
Der Tipp: Wenn du etwas findest, schau dir zuerst in Ruhe den Rest des Organs an. Erst danach kümmerst du dich um den Nebenbefund. Ob du ihn ausmessen musst, ist eine zweite Frage. Das gilt für jedes Organ, auch für die Niere.
Das Pankreas finden
Gute Hilfsstrukturen sind die linke Leberlappenspitze und der Magen. Er zieht normalerweise ventral des Pankreasgewebes entlang und mündet ins Duodenum. Kollabiertes Duodenum erkennst du an weißen Pixeln oder an einer Luftsichel.
Fehler 2: Mit dem Standbild zufrieden sein
Ist das Pankreas schön eingestellt, wird schnell ein Foto gemacht, und die Amylase gilt als abgeklärt. Die Zeit, die man in ein symmetrisches Lehrbuchbild steckt, wäre beim Durchfächern des Organs und seiner Umgebung besser angelegt.
Was das Durchfächern zeigt
- Pankreasgang: Der Ductus Wirsungianus wirkt auffällig prominent und ist ohne Zoom und ohne langes Suchen zu sehen. Zusammen mit der Amylaseerhöhung ist das suspekt, auch wenn ein Messwert noch knapp im Normbereich der Tabelle läge.
- DHC: Im Farbduplex sind Pfortader und Vena lienalis am Konfluens angefärbt. Ein Lumen ohne Farbe kreuzt in der typischen Achse. Weil sich die Pfortader dort noch nicht aufzweigt, muss es der DHC sein. Ist er so weit wie die Pfortader, ist er auch ohne Messung zu weit.
- Gallenblase: Sie ist vorhanden und postprandial kontrahiert. Es liegt also kein Zustand nach Cholezystektomie vor, der einen weiten DHC erklären würde.
Die Schlussfolgerung
Amylaseerhöhung, weiter Pankreasgang und weiter DHC: Beide Gänge münden an der Papille. Beim Durchfächern zeigt sich in der Umgebung keine sichtbare Raumforderung. Damit bleibt als nicht seltene Ursache ein Adenom der Papille. Das ist sonografisch intraduodenal nicht mehr darstellbar. Die weitere Abklärung erfolgt endoskopisch oder per MRT.
Fazit
- Lass dich nicht von Zufallsbefunden wie einer Leberzyste ablenken.
- Ein Standbild reicht nicht aus, um ein Organ abzuklären.
- Auch das Durchfächern des Zielorgans allein reicht nicht. Schau dir alle verbundenen Strukturen an, hier Pankreasgang, DHC und Duodenum.
So kommst du viel eher auf die richtige Folgediagnostik. Wenn du solche Systematiken im Training lernen möchtest: sonocoach.de/termin.